Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Buchberger M.Sc.

Was bedeutet Telemedizin für Qualität und Patientensicherheit?


Kurzbeschreibung zur Person:

Leiter des Instituts für Qualität und Effizienz in der Medizin an der UMIT – Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik, Hall in Tirol, Österreich. Zuvor Mitglied der Geschäftsleitung und medizinischer Direktor der Tirol Kliniken GmbH, zuvor ärztlicher Direktor des LKH (Univ.-Kliniken) Innsbruck. Studium der Humanmedizin und der Gesundheitswissenschaften, akademischer Krankenhausmanager, Facharzt für Radiologie. Forschungsschwerpunkte: Qualitäts- und Patientensicherheitsforschung, Versorgungsforschung, Präventionsmedizin.


Informationen zu "Was bedeutet Telemedizin für Qualität und Patientensicherheit?"

Die Digitalisierung der Medizin - häufig als Medizin 4.0 bezeichnet – eröffnet neue Möglichkeiten für die Ausschöpfung von Effizienzpotentialen und die Entwicklung innovativer Versorgungskonzepte. Die Telemedizin verspricht die ortsunabhängige Gewährleistung eines bedarfs- und bedürfnisgerechten Zugangs zu Gesundheitsleistungen sowie einer ressourcenschonenden und kosteneffizienten Versorgung. Trotz einer vorwiegend technologiegetriebenen rasanten Ausweitung von telemedizinischen Services ist die verfügbare Evidenz zu Qualität und Sicherheit der Telemedizin limitiert.

Die große Anzahl unterschiedlicher telemedizinbezogener Interventionen, ungenügende Angaben über Setting und Kontext, sowie große Variationen in Studiendesign und untersuchten Outcomes machen die Beurteilung der Effektivität schwierig. In zwei großen systematischen Reviews mit 93 bzw. 233 Studien fand sich eine moderate Evidenz bezüglich der Verbesserung klinischer Outcomes im Vergleich zur Standardversorgung für einige telemedizinische Anwendungen (Telemonitoring und Telekonsile in der Intensiv- und Notfallmedizin, Telemonitoring und Telekonsultation bei verschieden chronischen Erkrankungen). Die Evidenz bezüglich der Auswirkungen auf Kosten und Ressourcen ist auf Grund der inkonsistenten Methodik (keine Kosten-Nutzen-Analysen, unterschiedliche Kostenerfassung) unzureichend, die Akzeptanz durch die Gesundheitsberufe und Patienten wurde nur wenig untersucht.

Negative Effekte durch telemedizinische Versorgung wurden in den Studien kaum berichtet. Vorwiegend qualitative Studien sprechen jedoch für immanente Risiken für die Patientensicherheit, die vor allem die Veränderung des Kontextes der klinischen Tätigkeit, unzureichende Kenntnis und Klarheit über Systemfunktionalität und -performance, technische Probleme und die Erhöhung des Arbeitsaufwandes für das Gesundheitspersonal betreffen.

Die Schaffung belastbarer Evidenz durch methodisch einwandfreie, möglichst multizentrische Studien in klinisch relevanten Settings und Anwendungsgebieten der Telemedizin ist daher sowohl im Sinne eines „proof of concept“ als auch einer kontinuierlichen Evaluierung dringend erforderlich.


Der Vortrag zum Nachschauen:

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